MV Nattenhausen 1919 e.V.

Bezirk 11 Krumbach – Allgäu-Schwäbischer Musikbund

Musikverein Nattenhausen
mv-nattenhausen.de

Chronik Kurzform (lfd)

Vereinsgründung vor nachdenklichem Hintergrund

Herbst 1919: Musikkapelle wird gegründet
(Texte wurden teils aus Protokollen und Archiven übernommen, diese Seite gibt nur einen kurzen Abriss, weitere Details über die Seitenlink der Chronik)

= In diesem Zusammenhang bitten wir darum: Sollten Sie  etwaige Bilder und Schriften aus früherer Zeit über den Verein besitzen, dann melden Sie sich bitte beim Vorstand. =

An vielen Stellen Mitteleuropas zeugen Trümmerhaufen von zerschlagenen Monarchien. In Bayern wird die rote Räteherrschaft durch Freikorps zerschlagen, in Kärnten wehren sich Deutsche und Slowenen gegen die Einbürgerung des neuen jugoslawischen Staates, in den französischen Gefangenenlagern warten immer noch Hunderttausende von  deutschen Soldaten auf ihre Heimkehr und in den deutschen Städten wütet mehr als während des Krieges der Hunger.
Vor diesem Hintergrund vollzog sich im Herbst 1919 die Gründung der Musikkapelle Nattenhausen und wurde zu einem der vielen Symbole der wiedererwachenden Lebensfreude und des Gemeinschaftslebens.

Josef Bachthaler treibende Kraft

Im Frühjahr 1919 begann Deisenhausen seine Musik wieder aufzubauen.
Josef Bachthaler war dort als Schreinerlehrling tätig. Er hörte das Üben und wurde dadurch so inspiriert, dass er die Gründung einer Kapelle in Nattenhausen ins Auge fasste. Er warb und verhandelte erfolgreich und im Herbst war es dann soweit: Josef Bachthaler ( 1.Tenorhorn, dann B-Trompete), Roman Jakob (Basstrompete), Alois Thoma (Es-Trompete), Max Dietrich (Flügelhorn) und Anton Thoma (Bass) gründeten die Musikkapelle Nattenhausen.
Einige Wochen später kamen hinzu: Jakob Schweikart (Trompete), Michael Konrad (Tenorhorn), Josef Lehrer (Trompete), Johann März und Michael Dirr. Letzterer und Xaver Konrad (Müller) stifteten die große Trommel, die Michael Dirr schlug. Bei stürmischem Wetter holten Roman Jakob und Konrad Michel das bedeutungsvolle Stück mit dem Fahrrad aus Dillingen/Donau.


Trompete für 32 Mark   

Nach Aussagen von Josef Bachthaler kostete damals die Trompete 32 Mark. Eine hübsche Summe bei 50 Pfennig Wochenlohn. Jeder Musikant kaufte trotzdem sein Instrument selbst. Nur für den Kauf des Basses streckte die Gemeinde das Geld vor und schenkte dieses später der Kapelle.

Optimistischer Ausbilder

Erster Ausbilder war Herr Wilhelm; später gingen die jungen Nattenhauser Musikanten bei Athanasius Tausend in die Probe.
Dirr selbst hatte eine recht alte Trompete. Wenn sie nicht richtig tönte, setzte er zwei oder drei Patronenhülsen als Verlängerung zwischen Instrument und Mundstück. Er hatte oft mehrere Brillen gleichzeitig auf. Und er war auch optimistisch, denn er meinte, nach einem Jahr könnten die Nattenhauser die Krumbacher Musiker überflügeln.
Probelokal war die Werkstatt des Wagners Schweikart: Später übten die jungen Musiker in der Schreinerwerkstätte von Josef Bachthaler. Athanasius Tausend dirigierte auch den ersten öffentlichen Auftritt anlässlich der Hochzeit von Ottmar und Afra Fendt.

50 Mark Eintritt

Aus der im Krumbach Boten veröffentlichten Danksagung wurde der Musikkapelle für eine Ehrerweisung gedankt.
Die Kapelle spielte zu einem traurigen Anlass. Die beiden Jünglinge Konrad Blösch und Lorenz Mörz wurden im Oktober 1920  beerdigt.
Im selben Jahr inserierte auch Gastwirt Ulrich Dietrich im Krumbacher Boten und lud am Kirchweihsonntag, nachmittags 3 Uhr,  zum Tanz ein. Es ist anzunehmen, dass bei dieser Veranstaltung die neugegründete Musikkapelle bereits den Ton angab. Auch in den folgenden Jahren konnte durch Anzeigen in der Zeitung der Tatendrang der Nattenhauser Musiker immer wieder nachgewiesen werden. So lud zum Beispiel am Sonntag, 26. Februar 1922 die Musikgesellschaft zur Tanzmusik ins  „Dietrich´sche Gasthaus“ ein. Auch der Veteranen- und Soldatenverein hatte die Musikkapelle Nattenhausen während der Weihnachtsfeier mit Theateraufführung (26. Dezember 1922) verpflichtet. Die inflationären Verhältnisse wurden damals bereits deutlich, denn der Eintritt zu dieser Veranstaltung kostete 50 Mark. Aktiv war die Kapelle auch beim 25jährigen Priesterjubiläum von Dekan Holzbauer am 18. Juli 1922. Im Krumbacher Boten wird hierüber unter anderem berichtet: Mit einem  von der  jungen Nattenhauser Musikkapelle gut gespielten und eines passenden Stückes begann die Feier.

Neue Mitglieder

Eine bedeutende Erweiterung erfuhr die Musikkapelle im Jahr 1922 durch den Betritt von Anton Konrad, Lorenz Rueß, Anton Negele, Franz Lehrer, Lorenz Keller, Xaver Thoma, Ludwig März und Ludwig Strähle. Diese jungen Musikanten unterwies Josef Lehrer.

Nie wieder Krieg – ein kleiner Film zur Mahnung !!

Erstes Musikertreffen nach dem II. Weltkrieg

Als 1926 der Tiso-Gau ins Leben gerufen wurde, schloss sich auch die Nattenhauser Musik dieser Gemeinschaft der Günztalmusiker an und bei all den Musikfesten, die dann veranstaltet wurden, stellte sie in kameradschaftlichem Wettstreit ihr wachsendes Können unter Beweis. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges war die Kapelle recht  stark, denn immer wieder kamen neue Bläser hinzu. Während des Krieges allerdings, der die meisten ins Feld rief, kamen nur noch etwa sechs Musiker zusammen und meistens war es der traurige Anlass, für einen Gefallenen aus dem Dorf die Weise vom guten Kameraden zu spielen. Ein bedeutungsvoller Markstein nicht nur für den Musikverein Nattenhausen, sondern auch für den überörtlichen Zusammenschluss der Musikkapellen bildete das Waldfest am 3. Juli 1949. Als Gastkapellen waren Deisenhausen und Bleichen erschienen. Sie spielten  abwechselnd mit ihren Nattenhauser Kameraden und erfreuten Tausende von Besuchern mit dieser ersten überörtlichen Musikveranstaltung.

Weitere Treffen

Der damals vom Redner des gastgebenden Vereins ausgesprochene Wunsch, der Tiso-Gau möge nach den Wirren des Krieges neu belebt werden, fand großes Echo. Dies nicht nur bei den Mitgliedern der drei Kapellen, sondern auch bei den vielen Musikern aus Breitenthal und anderen Orten, die privat zu dieser Veranstaltung gekommen waren. Es folgte 1949 in Deisenhausen diesem ersten Musikertreffen eine ähnliche Veranstaltung.


 

Neuaufbau in schwieriger Zeit

Josef Bachthaler war wieder die treibende Kraft          bachthalerfreigest1

Schon im Winter 1945/46 gingen unentwegte Musiker daran, den Verein neu zu gründen, so schwierig dies auch in der damaligen Zeit war. Josef Bachthaler sammelte, wie schon 1919, die Musiker um sich und aus kleinen Anfängen entwickelte sich allmählich wieder eine beachtliche Kapelle, deren Dirigent Josef Bachthaler war, während Anton Konrad als Vorstand fungierte. Bachthaler leitete auch die Ausbildung der Anfänger.

Ein bedeutungsvoller Markstein nicht nur für den Musikverein Nattenhausen
bildete das Waldfest am 3. Juli 1949.

musi1956

Musikkapelle Nattenhausen bei der Fahnenweihe der Schützen  1956

Grund zum Feiern hatten die Nattenhauser Musikanten im Jahr 1959. Am 23. und 24. Mai war das 40jährige Vereinsjubiläum Anlass für ein Musikertreffen. Unter 2.Vorstand Leonhard Spaun und Dirigent Josef Gänzer wurde am Samstag ein Festabend im Zelt abgehalten, bei dem Schirmherr und Landrat Karl Graf die Festrede hielt. Mitwirkende waren der Musikverein Krumbach, mit Spielmannszug, die Musikvereine Deisenhausen und Balzhausen sowie die Jubiläumskapelle. Am Sonntag standen Weckruf, Festgottesdienst, Festzug und gemütlicher Ausklang auf dem Programm.

Auch das 50jährige Jubiläum wurde gebührend gefeiert. Dies zusammen mit dem Schützenverein (Gauschiessen) und Veteranenverein (Fahnenweihe) vom 10. bis 26. Mai 1969. Den Festabend des Musikvereins umrahmte die Musikkapelle Krumbach. Musikertreffen mit Sternmarsch und Massenchor standen am folgenden Tag im Mittelpunkt.
Von 1966 bis 1975 war Horst Hahn, Lehrer der Volksschule Nattenhausen, der Vorstand des Vereins.

 

Seit 1978 wieder Waldfest

1978 weckten die Nattenhauser Musiker unter Vorstand Alois Konrad dann eine „eingeschlafene Tradition“: Das Waldfest. Dieses entwickelte sich immer mehr zur finanziellen Lebensader für den Musikverein, da diesem in der Gemeinde, nach der Umwandlung des Gasthauses Ochsen in eine Diskothek, kein größerer Saal mehr zur Durchführung existenzsichernder Veranstaltungen zur Verfügung stand. Erleichtert wurde das „Unternehmen Waldfest“ durch die Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe jetzt Stromanschluss und Trink-Wasser vorhanden waren. Zur Erinnerung: In früheren Jahren lieferte ein Aggregat den Strom oder eine Leitung musste vom Anwesen Blösch bis zum etwa 400 Meter entfernten Festplatz gelegt werden.

50 Pfennig Betrag

Nochmals zurück in die „Jugendzeit“ des Musikvereins: 50 Pfennig Beitrag entrichteten die Musiker halbjährlich, wie ein aus dem Jahr 1925 stammendes Kassenbuch dokumentiert. Für eine Autofahrt zum Musikfest nach Kettershausen (1927) stehen 13 Mark auf der Ausgabenseite, für die Ouvertüre „Goldgräber“ (sie ist übrigens noch sehr gut erhalten) mussten an den neuen Münchner Musikverlag vier Mark entrichtet werden.

Dirigentenwechsel

Schwere Zeiten hatte die Musikkapelle Nattenhausen von Anfang bis Mitte der 80er Jahre zu überstehen. Zeitweise ohne Dirigent mussten die Proben abgehalten und nur die wichtigsten Verpflichtungen konnten wahrgenommen werden. Doch dank guter Kameradschaft und Zusammenhalt wurde diese „dirigentische Durststrecke“ überwunden. Günter Beugel aus Neuburg und Walther Paul aus Krumbach waren die Auswärtigen in der wechselvollen Zeit am Dirigentenpult. Die Musikkapelle hatte zu dieser Zeit 25 Musiker.
Es hat sich auch immer wieder gezeigt, dass auch der „2.Mann“ seinen Mann steht. Sei es beim Dirigenten oder beim Vorstand.
(Bild vom Juli 1989)

familienkonrad

Aufnahme vom Jahre 1989

 

 

 

Fast 90 Jahre sind zwischen Gründung und Gegenwart vergangen.
Geblieben ist aber die Aufgabe, welche sich die Musiker von einst und heute stellen: Das kulturelle Leben auf dem Dorf zu pflegen und zu erhalten.  Viele Paare wurden von der Musik zum Traualtar geleitet, von vielen Mitbürgern aber nahm sie Abschied am offenen Grab. Abendliche Ständchen vor einer Heimstätte, Verschönerung des Gottesdienstes, Feldmessen auf dem Kreuzberg, Teilnahme bei kirchlichen Feiern, Auftritte bei Festen benachbarter und befreundeter Kapellen – all dies füllt den Terminkalender einer Musikkapelle.

Musikkapelle 1989

 

Alois Konrad war als Vorstand des Musikvereins (von 1975 bis 1991) immer wieder die treibende Kraft und bewegte sehr viel. Kraft brauchte er auch als aktiver Bassist.

li: Anton Konrad re: Alois Konrad

li: Anton Konrad
re: Alois Konrad

Ab 1991 übergab Alois Konrad seinem Buder Anton Konrad (bis 1998) die Führung des Musikvereins.
Der Nachwuchs (12 Buben und ein Mädchen) wurde in der Günztaljugendkapelle herangebildet, deren Vorsitzender mit Anton Konrad ein Nattenhauser Musiker war. Aus diesem Engagement entwickelte sich dann auch die Jugendkapelle T.E.N.

Ein Nattenhauser: Anton Konrad leitete die Günztaljugendkapelle mit den Ortschaften Nattenhausen, Deisenhausen, Breitenthal, Bleichen, Wiesenbach und Wattenweiler.

Ein Nattenhauser: Anton Konrad (mi.li. mit Blumen) leitete die Günztaljugendkapelle und führte die Ortschaften Nattenhausen, Deisenhausen, Breitenthal, Bleichen, Wiesenbach und Wattenweiler zusammen.
Dabei waren ca. 100 jugendliche Musiker.

Jahr 2011                                                                                            

Norbert Gänzer

Norbert Gänzer

 

Theo Blösch 29.12.1998 – 08.01.2011

Theo Blösch

Nach zwölfjähriger Tätigkeit als erster Vorsitzender  wurde Theo Blösch von Bernhard Konrad abgelöst und nach 20-jährigem Wirken als “musikalischer Leiter” gab Norbert Gänzer den Dirigentenstab an seinen bisherigen Stellvertreter Martin Fendt weiter, bleibt der Musikkapelle aber als Baritonist erhalten. Der 38-jährige Bassist Bernhard Konrad trat mit der Übernahme des Vorsitzes nicht nur die Nachfolge von Theo Blösch an, sondern trat auch in die Fußstapfen seines mittlerweile verstorbenen Vaters Alois. Von 1975 bis 1991 hatte dieser den Verein geführt.

Vorstandschaft ab 2013

vli: Bernhard Konrad, Peter Konrad, Petra Niederreiner (Wank), Alexander Waldvogel, Martin Fendt, Tobias Gänzer, Martina Pietsch, Patrick Lindermüller und Josef Gänzer

Bei der Jahresversammlung am 23.01.2015 trat Dirigent Martin Fendt aus familiären Gründen in die zweite Reihe. Als neuer Dirigent wurde Erwin Mayer aus Langenau gewählt.
Dieses Engagement endete bereits wieder nach einen Monat.
Martin Fendt und Norbert Gänzer sprangen in die Lücke und übernahmen gemeinsam den Taktstock.

Im September 2015 spielten die Nattenhauser Musikanten im Rahmen eines Vereinsausfluges nach Rom dem emeritierten Papst Benedikt ein Ständchen.

toprom

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. singt die Bayernhymne mit.

Nun steht im Jahre 2019 ein großes Fest an: Bezirksmusikfest und 100-jähriges Bestehen des Vereines.

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by Bliss Drive Review