Musikverein Nattenhausen 1919 e.V.

Bezirk 11 Krumbach – Allgäu-Schwäbischer Musikbund

mv-nattenhausen.de

Anfangschronik

Entwurf einer Chronik des Musikvereins Nattenhausen von 1919 bis 1953:
(nach Angaben des Dirigenten Josef Bachthaler, geschrieben vom Volksschullehrer Pfeiffer)

Vom Original abgeschrieben:        – hier Original in Pdf-Datei

Früher hatte Nattenhausen keine dorfeigene Kapelle. Bei Festen und besonderen Anlässen spielten die Musikanten aus Breitenthal oder Ebershausen.
Nach dem 1.Weltkrieg, im Frühjahr 1919, begann Deisenhausen seine Musik wieder aufzubauen. Josef Bachthaler, dort als Schreinerlehrling tätig, hörte das Üben. Das Blasen ließ im keine Ruhe. Er spricht, wirbt und verhandelt erfolgreich. So kann im Herbst 1919 bereits eine eigene Kapelle aufgestellt werden.  chronik


Mitglieder: Bachthaler Josef (erst Tenorhorn, dann B-Trompete), Jakob Roman (Basstrompete), Thoma Alois (Es-Trompete, Dietrich Max (Flügelhorn), Thoma Anton (Baß).

Ca. 4 Wochen später trat hinzu Schweikart Jakob (Trompete).


Lehrmeister war Herr Wilhelm in Krumbach, zu dem die Anfänger wöchentlich 2mal hinübermußten. Als das Geld ständig wertloser wurde, mußten Eier und Milch zur Probe mitgebracht werden. Jeder Musikant kaufte sich sein Instrument selbst; nur der Baß wurde mit Geld gekauft, das die Gemeinde erst geliehen, später geschenkt hat. Alle hatten nur gebrauchte Stücke, die trotzdem schwer zu beschaffen waren. So kostete z.B. die Trompete 32 Mark, eine hübsche Summe bei 50 Pfennig Wochenlohn.
Etwa 1/2 Jahr nach dem Beginnen traten neu hinzu: Konrad Michel (Tenorhorn), der voll Idealismus bei der Sache war, Schweikart Xaver, Brenner Josef; etwas später folgten:
Lehrer Josef (Trompete), März Johann, Dirr Michael (Schmied). Dieser und Konrad Xaver (Müller) stifteten die große Trommel, die Dirr Michael schlug. Bei stürmischem Wetter wurde dieses bedeutungsvolle Stücke per Fahrrad aus Dillingen/Donau geholt (Jakob R., Konrad Mich.). Später schlug die große Trommel Negele Johann. Außerdem bearbeitete (schlug) eine kleine Trommel: Wank Josef. Diese hatte er wahrscheinlich selbst beschafft; sie ist später wieder verschwunden.
Von den Proben: Vom Arbeitsplatz weg eilten die jungen Musikanten nach Krumbach. In einem Zimmer des Maurerinvaliden Wilhelm trafen sie sich. Der Lehrmeister machte es einfach. Er hat einfach vorgeblasen und gesagt: „Buaba loset, so muß`s toa!“
Sogar am Sonntag, dann morgens um 6 Uhr, damit man zur Kirche wieder daheim war, ging es nach Krumbach.
Auf nächtlichem Heimweg geschah allerlei. Beim Schmied Klaus stand ein Jauchefaß voll dickflüssiger Abortlache. Da wurde der Verschluß geöffnet und die stark riechende Flüssigkeit lief aus. Da durften die Musikanten gar nicht mehr durch diese Straße gehen, da sie Gefahr liefen von den Anwohnern überfallen zu werden. Oft wurden am Bahndamm unter der Lampe die Noten ausgepackt und Stücklein nochmals geblasen. Wenn es mondhell war ertönte manchmal auch vom Kaltplätzenkreuz der Trompetenton.
Später konnten die jungen Musikanten zu Atanasius Tausend, dem Vater des „Goldmachers“ Tausend, in die Probe gehen. Er hatte eine rechte alte Trompete. Wenn sie nicht richtig tönte, setzte er 2 oder 3 alte Patronenhülsen als Verlängerung an das Mundstück. Er hatte manchmal 2, ja 3 Brillen gleichzeitig auf. Er war gutmütig und meinte, nach einem Jahr könnten die Bläser die Krumbacher überflügeln.
Probelokal: Werkstatt des Wanglers Schweikart, später und bis heute Schreinerwerkstätte Jos. Bachthaler.
At. Tausend dirigierte auch das 1. öffentliche Auftreten, anläßlich der Hochzeit des Herrn Ottmar Fendt. Die jungen Musikanten hatten Angst, ob dies wohl gut gehe. Auch die Leute äußerten Bedenken, ob die Ausbildung in der verhältnismäßig kurzen Zeit schon so weit fortgeschritten sei. Aber es ging ganz ordentlich. Die jungen Burschen fanden Anklang. Man konnte nach ihrer Musik tanzen, wenn sie auch noch nicht so rech einwandfrei geklungen haben mag.
Der Musikverein wurde nun gegründet und Satzung ausgearbeitet. Eine Vereinsfahne wurde angeschafft.
1922 traten hinzu: Konrad Anton, Rueß Lorenz, Negele Anton, Lehrer Franz, Keller Lorenz, Thoma Xaver, etwas später noch März Ludwig und Strähle Ludwig.
Diese Jungmusikanten lernte Lehrer Josef das Blasen (er hatte früher bereits auf der Violine gespielt, kannte die Noten gut und war sehr musikalisch).
Die neuen Mitglieder mußten in jede Probe je 10 Pfennig mitbringen zum Ankauf von Noten. Es soll auch Ohrfeigen ab und zu gegeben haben, wenn sie ihrem gestrengen Lehrmeister nicht gefolgt haben.
Als der Tiso-Gau gegründet wurde, war auch unser Verein am Zusammenschluß der Blaskapellen des Bezirks beteiligt. Beim 1. Musikfest in Deisenhausen zeigten sich unsere Musikanten mit dem „Phantastischen *“
Als Dirigent fungierte nun Herr Lehrer Josef Zahler (bis 1945). Auf den Musikfesten in Breitenthal, Tafertshofen, Kettershausen, Krumbach und Wattenweiler schnitt unser Verein immer ordentlich ab.
1929 kamen wieder neue Bläser hinzu: Kling Alfred, Strähle Lorenz, März Adam, Lachenmayer Xaver, Fritz Johann.
Ausgebildet wurden sie von den älteren Kameraden.
Während des 2. Weltkrieges wurde nur noch selten gespielt, bzw. noch bei Gefallenen-Ehrungen. Mit Mühe kamen immer 6 Musikanten zusammen. Gar manchmal mußte auch einer aus einem Nachbardorf herbeigeholt werden.
Der Verein hatte auch 3 passive Mitglieder: Dirr Michael, Konrad Xaver, Lachenmayer Leonhard.
Im Laufe der vergangenen Jahre haben das Spielen aufgehört: Roman Jakob, Thoma Alois, Schweikart Jakob, Dirr Michael, Negele Johann, Wank Josef, Negele Anton , Keller Lorenz;
weggezogen sind: Dietrich Max, Thoma Anton, Schweikart Xaver (vorher aufgehört), Brenner Josef, Rueß Lorenz, Thoma Xaver+.
Gefallen sind: Konrad Michel, Lehrer Franz, Strähle Lorenz, März Adam, Fritz Johann, Fischer Andreas; vermißt bis heute Lachenmayer Xaver; gestorben sind: Kling Alfred, Lehrer Josef, Zahler Josef.
Gleich nach Kriegsende, im Winter 1945/46 gingen unentwegt Musiker daran, den Verein neu zu gründen. Von den den alten blieben dabei: Bachthaler Josef, März Johann, Konrad Anton, Strähle Ludwig, März Ludwig;  – Jakob Roman, Keller Lorenz und Negele Anton nur noch kurze Zeit.
Neu treten hinzu: Seitz Hubert, Seitz Lorenz, Spaun Hans, Spaun Leonhard, Gänzer Josef, Ziegler Erwin, März Lorenz, Klaunzler Josef, Ritthaler Leonhard, Springer Anton, Dirr Michael.
Frank Otto aus Breitenthal und Polster Johann, Vater und Sohn, Heimatvertriebene, letztere mit Schlagzeug gesellen sich hinzu. An der Spitze des Vereins treten: als Vorstand Konrad Anton, als Dirigent Bachthaler Josef (re. im Bild), als Kassier Dirr Michael.  bachthalerfreigest1
Die Instrumente werden teils übernommen, verschiedene sind vereinseigen, andere werden gekauft. Die Ausbildung der Anfänger übernimmt Bachthaler Josef. 2x in der Woche finden in seiner Werkstätte die Proben statt.
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Mit einem gelungenen Waldfest im Sommer 1949 zeigt die Kapelle ihr Können. Da die Musikkapelle aus Deisenhausen, Ober- und Unterbleichen geladen werden, wird die Wiedergründung des Tiso-Gaus angeregt.

 

Die Vorbereitung wurde mit Schwung geschafft: auf dem herrlich gelegenen Sportplatz mußte eine Tanzdiele aufgeschlagen werden buehne und ein Musikpodium errichtet werden.
Eine Lichtleitung vom Anwesen Blösch wurde hinaufgelegt. Plakate wurden nach allen Himmelsrichtungen in die Dörfer getragen.
Der Tag, anfangs Juni, war günstig gewählt. Herrliches Wetter lud die Leute zur Wander zum Festplatz. Um 14 Uhr begann die Unterhaltungsmusik der 3 Kapellen, die abwechselnd spielten. viele Zuhörer waren gekommen, denen es auf dem hübschen Fleck gefallen hat. Es war auch ein Armbrust-Schießen vorgesehen; das hat aber nicht erfolgreich durchgeführt werden können (technische Störungen).
Im Mai 1950 war das 2. Waldfest, diesmal nur von der eigenen Musik durchgeführt. Außer Unterhaltungsmusik wurden alte Tänze (Hirtamadl, Kempter) vorgeführt. Die Schuljugend zeigte Gymnastik und Reigen. Der Verein hatte einen Stutzen gekauft und mit gutem Erfolg ein Preisschießen durchgeführt. Da die Preise im Ort und in Krumbach gesammelt, erbettelt waren, blieb ein Überschuss.
Damit war vor allem aber die Anregung gegeben zur Wiedergründung des Schützenvereins, dem der Stutzen leihweise überlassen ist.
Allerlei Ausflüge wurden in den letzten Jahren durchgeführt: 1947 mit Lastwagen nach Garmisch, per Bahn auf Kreuzeck, zu Fuß auf die Hochalm, zurück nach Garmisch, dann zum Eibsee (dessen Ufer allerdings von Deutsch nicht betreten werden durfte), über Ettal (Kirche) nach Schloß Linderhof (Besichtigung).
busausflug51  1950  im Omnibus nach Ottobeuren, Buxheim. Aufenthalt in Klosterbeuren, Gemütliches Beisammensein mit Kirchenchor.
1951 im Omnibus über Wieskirche, Oberammergau, Ettal, Garmisch nach Mittenwald; zum Walchensee, Kochelsee, Kraftwerk. Nach Andechs (Kirche) und zum Ammersee (Herrsching).
Besuch aus Klosterbeuren mit gemütl. Beisammensein und Tanz.

 

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Waldfest Nattenhausen anno 1953

 

 

 

 


by Bliss Drive Review