Musikverein Nattenhausen 1919 e.V.

Bezirk 11 Krumbach – Allgäu-Schwäbischer Musikbund

mv-nattenhausen.de

90 Jahre Bezirk 11

Bericht in den Mittelschwäbischen Nachrichten vom 02.02.2016:

DEISENHAUSEN

90 Jahre Blasmusik im organisierten Bund

Der Bezirk 11-Tisogau im Allgäu-Schwäbischen Musikbund feierte seinen 90. Geburtstag im Gründungsort Deisenhausen

Bezirksdirigent Patrick Scheel stand dieses Mal nicht auf einem Fass, um das eigens zusammengestellte Jubiläums-Orchester zu dirigieren, wie anno 1926 der Dorflehrer Georg Beitinger beim 1. Gaumusikfest in Deisenhausen. Rund 30 Musiker aus den Gründungskapellen des Tisogaus Bleichen, Breitenthal, Deisenhausen, Nattenhausen, Tafertshofen, Wattenweiler und Wiesenbach schufen mit Werken namhafter Komponisten den würdigen Rahmen bei der Andacht und dem Festakt zum Jubiläum „90 Jahre Tisogau“ in der Pfarrkirche St. Stephan in Deisenhausen ein tolles Klangerlebnis. Musikalische Farbtupfer setzten zudem das Alphorn-Quartett des Musikvereins Bleichen und das Blechbläser-Ensemble vom Musikverein Wattenweiler.

Optisch und klanglich gehöre die Blasmusik zum Mittelpunkt bei vielen kirchlichen Anlässen. Musiker, die zu Ehren Gottes musizieren, verrichten einen Gottesdienst, leitete Prodekan Klaus Bucher die Andacht zum Jubiläum ein. Die Feier in diesem Rahmen sei berechtigter Anlass, Gott zu danken, seien doch die 90 Jahre Tisogau ein Drittel der Zeit seit dem Bau der Deisenhauser Pfarrkirche vor 270 Jahren.

Bezirksleiter Peter Walburger des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes (ASM) freute sich in seinem Willkommensgruß über viele Ehrengäste, Mitglieder aus den Gründungskapellen und weiteren Kapellenvertretern aus dem Musikbezirk 11. In seiner Festansprache blickte er zurück auf das Gründungsjahr 1926 und blätterte in den Aufzeichnungen von Gau-Chorleiter Georg Beitinger über die ersten Aktivitäten im noch jungen Tisogau, besonders über das 1. Gaumusikfest in Deisenhausen am 4. Juli 1926.

Gemessen an den heutigen Dimensionen, fand dieses „Großereignis“ doch in bescheidenem Rahmen statt: 87 Männer aus den Gründungskapellen spielten in zwei Massenchören und trugen ein freigewähltes Konzertstück vor. Die Kapellenstärke bewegte sich zwischen zehn (Nattenhausen) und 16 Mann (Bleichen-Wiesenbach), allesamt gesetztere Herrschaften, denn Jungmusiker gab es nicht, ebenso spielten damals keine Frauen in den Kapellen. Im Verlauf der nächsten Jahre gab es regelmäßig ein Gaumusikfest (GMF), teilweise mit „empfindlichem Defizit“ infolge schlechten Wetters. Walburger zitierte: „Der Wettergott muß nicht musikliebend sein, sonst könnte es nicht so regnen“.

Das 4. GMF in Wattenweiler 1929 dauerte erstmals zwei Tage mit einem Festzelt und der Teilnahme von fünfzehn Kapellen mit 231 Musikern. Nach dem 7. GMF in Oberwiesenbach gab es von 1934 an keine Aufzeichnungen mehr. Erst 1949 setzte sich die Tradition mit dem 1. Günztaler Musikfest in Nattenhausen fort und 1951 erfolgte schließlich der Zusammenschluss aller Kapellen im Landkreis Krumbach zum heutigen Bezirk 11 – Tisogau.

Zwei Vorsitzende bekleideten das Amt jeweils 30 Jahre lang

Jeweils über 30 Jahre lang leiteten Ludwig Sontheimer und als Nachfolger Guntram Schuhmacher mit großem Engagement und erfolgreich den vereinten Musikbund. Wie der Bezirk 11 feiere der gesamte ASM in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen, erinnerte dessen Präsident, Staatssekretär Franz Pschierer und erinnerte, dass sich seit Gründung beider Institutionen vieles geändert habe: Der optische Eindruck, die Größenordnung oder die Literatur und die Kapellen seien weiblicher geworden. Doch gleich geblieben sei der Wille zur Integration, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Hautfarbe oder Religion. Vor allem die Jugend sei in den Kapellen, wo soziale Kompetenz, der Respekt untereinander und Kameradschaft praktiziert würden, willkommen. Mit „Dankbar zurück, dankbar aufwärts und mutig vorwärts blicken“, verband Pschierer die Grüße und Glückwünsche des ASM. Der Musikbezirk habe es immer wieder geschafft, neue Mitglieder zu gewinnen und ein großes Publikum für sich zu begeistern.

Die musikalische Jugendarbeit werde großgeschrieben und habe sich bewährt, so Landrat Hubert Hafner. „Wie seit Jahren geschehen, ist für den Bezirk 11 weiterhin eine Förderung von rund 11 000 eingeplant“.

Er sei zwar kein offizielles Gründungsmitglied, doch als 90-Jähriger habe er die Entwicklung des Tisogaues und jetzigen Bezirks hautnah erleben und als jahrzehntelanger stellvertretender Bezirksleiter mitgestalten können, sagte Bezirks-Ehrenmitglied Philipp Dreher. In seinen Redebeitrag flocht er manche heitere Episode ein, besonders die mühsamen Vorbereitungen der Musikfeste in früheren Jahren ohne jegliche technischen Hilfsmittel.

Abschließend dankte Walburger allen, die zum guten Gelingen dieser Feierstunde beigetragen haben. Es schloss sich ein gemütliches Beisammensein im Gollmitzerhaus an. (wgl)


by Bliss Drive Review